Panketals Schulstruktur gerechter und zukunftsfest machen - eine Denkschrift

Veröffentlicht am 23.10.2012 in Bildung

Der Gemeinde Panketal sind leistungsfähige und bedarfsgerechte Schulen seit jeher ein Anliegen: So werden bzw. wurden in den Jahren 2010 - 2013 mehr als 11 Mio. € in die Schulangebote investiert – übrigens ohne jegliche Fördermittel vom Kreis, Land oder Bund. Neu gebaut bzw. saniert wurden die Sporthalle Schwanebeck  (2,5 Mio. €), die Gesamtschule Zepernick (6 Mio. €), sowie die Sportmensa Schwanebeck (2,5 Mio. €). Zahlreiche „kleinere“ Bauvorhaben werden hier der Einfachheit halber nicht dargestellt, summieren sich aber auch auf einen Millionenbetrag.

Seit einiger Zeit wird angesichts etwa gleichbleibend hoher Grundschülerzahlen über einen dritten Grundschulstandort in Panketal nachgedacht. Auch ein Ersatzneubau des Hortes Schwanebeck für ca. 3,7 Mio € ist in der Diskussion, ebenso die Erweiterung und Sanierung der Oberschule Schwanebeck für 3,5 Mio. €.

Ungeachtet dessen sieht der gerade verabschiedete Schulentwicklungsplan des Landkreises, der bis 2017 gilt, eine unveränderte Schulstruktur im Grundschul- und weiterführenden Schulangebot vor. Dem Thema Inklusion wird im Schulentwicklungsplan (noch) keine Relevanz beigemessen. Faktisch findet sie allerdings bei einer hohen Zahl von Kindern mit Förderbedarf an den Regelschulen schon statt.

Um die Schullandschaft, die Gebäudestruktur, die notwendigen Investitionen und das Eltern- bzw. Schülerwahlverhalten hinsichtlich Schulstandort und Typ in einen vernünftigen Ausgleich zu bringen, zukunftsfest und gerecht zu machen, schlage ich Folgendes vor: 

1.      Die Oberschule Schwanebeck mit gegenwärtig 201 Schülern soll ab dem Schuljahr 2013/14 keine weiteren Schüler aufnehmen. Der Schulbetrieb der bestehenden Klassen wird bis zum jeweiligen Abschluss fortgeführt. Spätestens im Jahr 2016 wird die Oberschule eingestellt.

2.      Der bisher geplante Neubau eines Hortes in Schwanebeck für 200 Kinder soll entfallen.

3.      Dafür soll das Gebäude der Oberschule gemäß den im September 2012 vorgestellten Plänen saniert und erweitert und zukünftig als Grundschulgebäude und Hort genutzt werden. Die Grundschule Schwanebeck soll nach der Sanierung bis zu vierzügig als Ganztags- oder verlässliche Halbtagsschule betrieben werden.

Begründung und Erläuterung

1.      Weiterführende Schulen – Oberschule und Gesamtschule

In einem ggw. quasi dreigeteilten Schulsystem der weiterführenden Schulen steht die Oberschule als Schultyp auf der untersten, am wenigsten nachgefragten Stufe. Das Anwahlverhalten und die Schülerzahlen belegen dies. Die Schule hat mit geringen Schwankungen in den letzten Jahren um die 200 Schüler mit leicht fallender Tendenz. 

Cirka 60% - nämlich ggw. genau 118 Schüler - kommen gar nicht aus Panketal, sondern von auswärts, in der Mehrheit aus Ahrensfelde (64) und Bernau (34). Die Schüler, die sich an der Oberschule wiederfinden, sind dabei oft nur mit Zweitwunsch dort, nachdem ihr Erstwunsch an der Gesamtschule mangels Kapazität oder/und Leistung nicht berücksichtigt werden konnte. Sie sind an der Oberschule eher nicht in einem leistungsfördernden Schulumfeld. Leistungsgeneigte stärkere Schüler werden in der Regel mindestens an der Gesamtschule oder aber am Gymnasium zu finden sein.

Der Schultyp Oberschule wird quasi wie eine Hauptschule wahrgenommen und angewählt bzw. eher gemieden. Die ohnehin schwächeren Schüler werden im Übergang zur weiterführenden Schule somit in einen Schultyp integriert der nicht gleichermaßen leistungsfördernd ist, wie z.B. die Gesamtschule. Ihre Bildungschancen steigen hier nicht in dem Maße wie es an der Gesamtschule möglich wäre.

Das Wahlverhalten der Panketaler Schülerschaft geht dabei ohnehin in Richtung der Gymnasien. Mit einer Übergangsquote von über 50 % sind fast 30 % der Schüler am PPG aus Panketal und immerhin ca. 25 % der Schüler des Barnim Gymnasiums Panketaler Bürger. Das korreliert mit den Schülerzahlen der Gesamtschule, die sich zu ca. 54% auch aus auswärtigen Kindern zusammensetzt.

Ein längeres gemeinsames Lernen an einer Gesamtschule in der Sekundarstufe I ermöglicht auch den schwächeren Schülern ein besseres Lernumfeld und verbesserte Chancen für einen Wechsel in die Sek II der Gesamtschule. Es entsteht ein leistungsförderndes, nicht über Zweitwunsch – als Ausweichlösung - entstandenes Schülerumfeld. Momentan ist es eher so, dass die Schülerschaft der Oberschule diese überwiegend nur als Zweitwunsch bzw. aus Leistungsselektionsgründen wählt, weil sie eben an anderen Schulen, insbesondere der Gesamtschule, abgelehnt werden.  Mit der Überleitung der pro Jahrgang ca. 20 Panketaler Schüler an die Gesamtschule verbessern sich für diese die objektiven und subjektiven Lernbedingungen und damit ihre Bildungschancen. Dem tatsächlichen Wahlverhalten wird damit besser Rechnung getragen und die Chance, dass diese Schüler im Sog der Leistungsstärkeren an Leistungsvermögen gewinnen, wächst.

Faktisch kommt das für Panketal der Abschaffung der Oberschule als Schultyp gleich und eröffnet die Möglichkeit des 10-jährigen gemeinsamen Lernens wie an den früheren POS. Wir erreichen damit eine Form der „Leistungsinklusion“, da ein frühzeitiges Aussortieren von schwächeren Schülern nach der 6 Klasse unterbleibt.

Angesichts von ggw. 367 auswärtigen Schülern bei einer Gesamtschülerzahl von 679 Schülern an der Gesamtschule Zepernick dürfte es nicht schwierig sein, nach dem Wohnortprinzip - was zumindest für die Bildungsgangempfehlungen FOR und EBR gilt - Panketaler bevorzugt einzuschulen. Lediglich im Bereich der Bildungsgangempfehlung Allgemeine Hochschulreife (AHR) gilt das Wohnortprinzip nur eingeschränkt.  Es ist legitim, wenn die Gemeinde von der Schule, deren Träger und Finanzierer sie ist, erwartet, dass diese Schule jedenfalls bevorzugt auch eigene Kinder berücksichtigt. Das ist nicht unsolidarisch, sondern die berechtigte Wahrnahme eigener Interessen. Zu den Gymnasien in Bernau lässt sich dabei keine Parallele ziehen, denn diese sind Schulen des Landkreises, die wir über die Kreisumlage jedenfalls auch mitfinanzieren. Bei den von uns selbst getragenen Schulen macht Schulträgerschaft nur Sinn, wenn sie auch mit Wahrnahme von Interessen und Kompetenzen verbunden ist. Ansonsten kann man diese Schulen auch an den Landkreis abgeben.

Es bleibt festzuhalten, dass die Gesamtschule Zepernick mit ihrer jeweiligen Vierzügigkeit in der Sek I und Sek II durchaus in der Lage ist, die Panketaler Schüler aufzunehmen, die an der Oberschule zukünftig nicht mehr eingeschult werden. Ein entsprechendes Auswahl- und Zulassungsverfahren ist möglich (vgl. § 53 Absatz 3  Schulgesetz Brandenburg).

Es ist auch keineswegs so, dass dabei die Schüler anderer Gemeinden unversorgt bleiben. So gibt es in Bernau zwei Oberschulen die durchaus Platzreserven haben (Rollberg und Tobias Seiler Oberschule).  In Ahrensfelde fehlt eine weiterführende Schule zwar, jedoch bemüht sich die Gemeinde ggw. selbst darum, eine weiterführende Schule zu eröffnen. Gegenwärtig scheitert sie damit am Widerstand des staatlichen Schulamtes und des Landkreises. Wir würden damit die Bemühungen in Ahrensfelde, eine eigene weiterführende Schule zu bekommen, eher unterstützen, was auch angesichts des Schülerverkehrs ein Gewinn wäre.                                                                                                                                               

2.      Grundschulangebot

Die Schülerzahl im Grundschulbereich wird sinken, allerdings haben wir noch für 2 - 3 Jahre mit etwa gleichbleibend hohen Einschulungszahlen zu rechnen. Die Grundschulen sind momentan am Limit ihrer räumlichen Leistungsfähigkeit obwohl die Schülerzahl in den letzten Jahren schon leicht zurückgegangen ist. Mit dem Schuljahr 2012 ging die Montessorischule Niederbarnim in Panketal in Betrieb, konnte aber auf Grund der Kurzfristigkeit der Schulgenehmigung nur eine kleine Grundschulklasse von neun  Kindern bilden. Zugleich gingen 11 Schüler erstmals an die Montessorischule nach Buch, die ebenfalls 2012 den Schulbetrieb aufnahm. In beiden Fällen muss man von Startzahlen ausgehen, die in den nächsten Jahren noch ansteigen werden.

Die kommunalen Grundschulen sind im Schuljahr 2012/2013 siebenzügig gestartet und es ist sehr wahrscheinlich, dass es im nächsten Schuljahr wohl mindestens wieder siebenzügig weitergeht. Dabei sind allerdings die Klassenzahlen mit durchschnittlich 23 Schülern durchaus moderat und schon heute inklusionsgerecht.

Die Einschulungsprognose legt nahe, dass wir kurzfristig in der Lage sein sollten, sieben bis acht Züge pro Jahr einzuschulen. Nach Errichtungsbeschluss der Grundschulen sind jedoch nur insgesamt sechs als optimal festgeschrieben (2-zügig in Schwanebeck und 4-zügig in Zepernick). Wir haben insofern einen suboptimalen Zustand, der Veränderung erfordert. Der Bau eines dritten kommunalen Schulstandortes scheidet aufgrund der schon mittelfristig sinkenden Schülerzahl, der Bauvorlaufzeit und nicht zuletzt der damit verbundenen Kosten aus. Er würde ohne weiteres kaum weniger als  8 - 10 Mio. € kosten und wäre schon in einigen Jahren unterbelegt. Es wäre eine nachhaltige Fehlinvestition.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis zwischen schlecht angewählter Oberschule und fehlenden Grundschulkapazitäten. Die Lösung ist, was unter 2. und 3. vorgeschlagen ist:

Die Grundschule Schwanebeck erstreckt sich Schritt für Schritt in die abzuwickelnde Oberschule, die gemäß vorliegendem Entwurf saniert und erweitert wird. Das Schulgebäude kann - ebenso wie das der Gesamtschule Zepernick -  auf einen modernen, zeitgemäßen Stand gebracht werden und beherbergt dann 2 Züge der erweiterten Grundschule und den Hort. Hierzu ist das Gebäude selbst zu erweitern, wie es der Entwurf ja auch schon vorsieht. Die Kosten dafür liegen bei geschätzt ca. 4,5 Mio. €.
Der Neubau des Hortes (Baukosten geschätzt 3,7 Mio.) entfällt damit ersatzlos.Die Grundschule Schwanebeck soll sodann als Ganztagesschule oder verlässliche Halbtagsschule organisiert werden. Damit wird der  Standortnachteil gegenüber der Grundschule Zepernick kompensiert.

Am Ende dieses Prozesses haben wir jeweils max. vierzügige Grundschulen in Zepernick und Schwanebeck und können den Bedarf im Pflichtaufgabenfeld Grundschulversorgung problemlos abdecken. Es gibt mit der Gesamtschule Zepernick  eine moderne weiterführende Schule, die innerhalb Panketals den Weg bis zum Abitur ermöglicht. Die Schüler können bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen. Die Bildungschancen auch für leistungsschwächere sind damit gewachsen. Der Schulstandort Panketal ist gut sortiert, demografiegerecht  und leistungsfähig. Wenn die Grundschülerzahlen zurückgehen – was auch zu einer geringeren Zügigkeit führt -, können die beiden Grundschulen jeweils dreizügig weitergeführt werden. Ergänzt wird diese Schullandschaft durch freie Schulen, die entweder mit spezieller Förderung oder spezieller Pädagogik Wahlmöglichkeiten bieten. Besonders leistungsstarken Schülern steht der Weg zu den kreiseigenen Gymnasien in Bernau offen.

Dieser Zustand ist mit Investionen von ca. 4,5 Mio. € zu erreichen, während beim Neubau des Hortes Schwanebeck, der dann folgenden Sanierung der Oberschule Schwanebeck min. sieben Mio. € aufgebracht werden müssen und damit noch nicht einmal das Grundschulkapazitätsproblem gelöst wäre, was wiederum weitere Millioneninvestitionen verursacht.

Die Errichtung, Fortführung und Auflösung von Schulen ist im Brandenburgischen Schulgesetz in den §§ 104 und 105 geregelt.                                                                                                                                  

§ 105 Absatz 2 Brandenburgisches Schulgesetz lautet:

Über die Änderung und Auflösung sowie die Fortführung gemäß Absatz 1 Satz 2 beschließt der Schulträger unter Beachtung der Schulentwicklungsplanung. Als Änderung sind der Ausbau und Abbau einer Schule, der Wechsel des Schulträgers sowie die Änderung der Schulform oder der angebotenen Bildungsgänge zu behandeln. Für die Genehmigung gilt § 104 Abs. 2 entsprechend.

Die aktuellen Daten zur Schulstruktur wurden in einer Beratung am 15.10.2012 vorgestellt. Sie sind umfassend auf der Homepage der Gemeinde unter Aktuelles zu finden. Deshalb wird hier auf eine weitere Zahlendarstellung verzichtet.

Rainer Fornell
Bürgermeister

 

Mitglied werden

 

Kalender

Alle Termine öffnen.

07.12.2017, 19:00 Uhr Fraktion Panketal
Vorbereitung der Sitzung der Gemeindevertretung und der Ausschüsse

18.01.2018, 19:00 Uhr Fraktion Panketal
Vorbereitung der Sitzung der Gemeindevertretung und der Ausschüsse

15.02.2018, 19:00 Uhr Fraktion Panketal
Vorbereitung der Sitzung der Gemeindevertretung und der Ausschüsse

08.03.2018, 19:00 Uhr Fraktion Panketal
Vorbereitung der Sitzung der Gemeindevertretung und der Ausschüsse

Links

Link zur Homepage von Britta Stark

Unsere Programme 2014-19

Link zum Wahlprogramm
 

Link zum Kreiswahlprogramm

Wetter-Online

Besucher

Besucher:395498
Heute:9
Online:1