Erfahrungsbericht Dresden Nazifrei 2011

Veröffentlicht am 22.02.2011 in Veranstaltungen

von Florian Görner
Auch im diesem Jahr waren wieder Barnimer in Dresden um den größten Naziaufmarsch Europas zu verhindern. Im Folgenden schildere ich kurz meine Erfahrungen aus diesem Jahr.

Es war noch dunkel, als wir morgens um 5:00 Uhr vom neuen Busbahnhof in Eberswalde, mit Abstechern in Biesenthal und Bernau nach Dresden aufbrachen, um den größten Nazi-Aufmarsch Europas zu blockieren. Die Blockadeaktion war wie im letzten Jahr, akribisch organisiert und bestens geplant. So große Menschenmengen aus fast ganz Europa, so koordiniert und wirkungsvoll an einem Platz zu bringen, nötigt mir erneut Respekt ab. Nicht umsonst wurde Dresden Nazifrei quasi zum Mythos der Bewegung. Nahezu jede lokale Aktion gegen Rechte Aufmärsche bezieht sich heute auf das Dresdner Vorbild, siehe Berlin, Lübeck oder Brandenburg.
Im diesen Jahr hatten wir deshalb einen großen Bus bestellt, der für 49 Personen Plätze bot. Jeder Platz war besetzt und die Stimmung war gut.

Buskonvoi
Gegen 8:00 Uhr sind wir am Sammelplatz für den Buskonvoi, am Rasthof Freienhufener Eck West, kurz vor Dresden angekommen. Bereits hier war die Menge der Gegendemonstranten beeindruckend. Der Rasthof wurde von Tausenden Menschen, die in dutzenden Bussen unterwegs waren, geradezu bestürmt.
Die Logistik und die Organisation der gesamten Aktion war hier ebenfalls enorm beeindruckend: jeder Bus war nummeriert. Es gab eigene Parkplatzeinweiser und Buskoordinatoren, die per Megafon Durchsagen machten. Alle Busse brachen dann gemeinsam nach Dresden auf und bildeten einen kilometerlangen Konvoi, der sich wie eine Schlange die Autobahn entlang schlängelte.
Die Anreise im Konvoi hatte aber auch Tücken, so konnte die gesamte Buskolonne von der Polizei auf einmal gestoppt werden. Die Demonstranten waren gezwungen an der Autobahnabfahrt auszusteigen und in die Dresdner Innenstadt zu wandern.

Blockadepunkt Kaitzer Straße
Unsere „Fingerfarbe“ war Grün-Schwarz. Es war also eine kleine grün-schwarze Fahne, die unsere Gruppe, zusammen mit Tausend anderen Menschen, über Umwege, an den für uns bestimmten Blockadepunkt führen sollte. Eh wir jedoch auf die Blockade gelangten, mussten wir uns ein Katz und Maus Spiel mit der Polizei liefern. Immer wieder riegelte sie unsere Wege ab, wir mussten uns neue suchen und dabei auch mal kurz einen Dauerlauf einlegen.
Schließlich gelangten wir um 11:00 Uhr auf die Kaitzer Straße, in Sichtweite des Hauptbahnhofs. Hier errichteten wir unsere Blockade. Die Polizei unternahm an diesem Blockadepunkt vergleichsweise wenig, trotzdem wurde am Anfang Pfefferspray eingesetzt und Fußtritte verteilt. An anderen Orten ging die Polizei aber schärfer gegen die Gegendemonstranten vor.
Hier standen wir nun mit etwa 1000 anderen Blockierenden. Die Polizei verhielt sich während der Blockade relativ friedlich: bis auf die anfängliche Gewalt, hat sie nichts gegen die Blockade unternommen. Wie im letzten Jahr, passierte nicht viel, es gab wieder Musik und die bereits aus dem letzten Jahr bekannte Trommelgruppe, welche auf aufgeschnittenen Plastikfässern trommelte und mit großen, aus Abfall gebastelten Figuren tanzte. Das offen gesagt wieder recht langweilige Rumstehen in der Kälte, hat sich aber gelohnt, um 17.00 Uhr wurde der Naziaufmarsch abgesagt.

Was hat's gebracht?
Im Ergebnis haben die Blockaden von fast 20.000 Menschen den geplanten Naziaufmarsch in Dresden verhindert. Rund um den Hauptbahnhof und anderen Orten blockierten die antifaschistischen Demonstranten wichtige Verkehrspunkte. Stundenlang standen, saßen und tanzten sie in der Kälte. Der von der sog. JLO (junge Landsmannschaft Ostdeutschland) geplante Trauermarsch konnte deshalb nicht starten, da die Polizei nicht in der Lage war, die Blockaden zu räumen und den Nazis "sicheres Geleit" durch die Stadt zu geben.
Das Konzept der Blockade ging also voll auf. Die Aktionen des Bündnisses Dresden Nazifrei haben den Naziaufmarsch wirkungsvoll verhindert, denn wir haben in Dresden keinen einzigen Fascho in unserer Nähe gesehen. Die Demo kann insgesamt als "friedlich" kategorisiert werden. Es gab diesmal aber mehr Reibereien mit der Polizei und Angriffe von Nazis auf alternative Jugendklubs und ein Kulturzentrum. Trotzdem wurde die Berichterstattung von den Ausschreitungen gewaltbereiter Autonomer dominiert. Diese stellen aber nur ein Bruchteil der Teilnehmer und die Ausschreitungen waren nur ein Bruchteil der gesamten Aktion.
Trotz allem: Sollte es im nächsten Jahr wieder einen Trauermarsch geben werden auch hier wieder Barnimer in Dresden teilnehmen!

 

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